Sektenvorwürfe
Gericht hält Versetzung von Schulleiterin für rechtens
Das rheinland-pfälzische Bildungsministerium hat die Leiterin einer Realschule nach Sektenvorwürfen zu Recht versetzt. Das hat das Mainzer Verwaltungsgericht entschieden. Die Lehrerin war Mitglied des umstrittenen esoterischen Vereins "Zentrum des Lichts".
Die Pädagogin leitete die Realschule in Gau-Odernheim seit August 2000 und wurde im Oktober 2004 an die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion versetzt, was das Verwaltungsgericht am Mittwoch als rechtmäßig einstufte: Wegen der herausgehobenen Funktion der Schulleiterin im Verein "Zentrum des Lichts" sei der Schulfriede tief greifend gestört und nur durch ihre Versetzung ein ordnungsgemäßer Schulbetrieb möglich (Aktenzeichen 7 L 982/04.MZ).
Damit wiesen die Richter einen Antrag der Schulleiterin gegen den sofortigen Vollzug der Versetzung zurück. Der Fall hatte in Rheinland-Pfalz für einigen Wirbel gesorgt, wie auch zuvor die Versetzung von zwei Lehrerinnen einer Grundschule in Monsheim. Ihnen war vorgeworfen worden, Gedankengut der umstrittenen Gruppierung "Zentrum des Lichts" im Unterricht verbreitet zu haben. Die Lehrerinnen bestritten das. Aus den Reihen der Eltern wurden Vorwürfe laut, es habe beispielsweise seltsame Meditationskurse für die Kinder gegeben, in denen ebenso wie im Fach Evangelische Religion die "Engel-Lehre" des "Zentrum des Lichts" verbreitet worden sei.
Gegen die Grundschullehrerinnen wurden Disziplinarverfahren eingeleitet, beide akzeptierten schließlich ihre Versetzung. Der rheinland-pfälzischen CDU reichte dieser Schritt nicht - die Versetzung sei "nicht angemessen und unverantworlich", sagte im April der bildungspolitische Fraktionssprecher Josef Keller. Denn in Monsheim sei mit den Meditationskursen "systematisch versucht worden, in das Innenleben von Kindern massiv einzugreifen". Die Lehrerinnen müssten beurlaubt werden, weil sie "auch einer neuen Schule nicht zuzumuten seien".
Anders als die Monsheimer Grundschullehrerinnen wehrte sich die Schulleiterin aus Gau-Odernheim - stellvertretende Vorsitzende des "Zentrums des Lichts" - gegen ihre Versetzung: Schließlich habe sie das Ministerium bereits vor Übertragung der Schulleiterstelle über ihre Vereinsmitgliedschaft unterrichtet, habe die Mitgliedschaft ohnedies nicht mit ihrer schulischen Arbeit verküpft und sei zudem im Juli 2004 wieder ausgetreten. Dem Ministerium warf sie vor, dass Verwaltungsverfahren allein aufgrund einer "beispiellosen Diffamierungskampagne der Presse" eingeleitet zu haben.
Richter halten Vertrauensverlust für entscheidend
Das Bildungsministerium dagegen begründete die Versetzung vor allem mit dem erheblich gestörten Schulfrieden und dem beeinträchtigten Vertrauensverhältnis zwischen der Schulleiterin, dem Kollegium und den Eltern. Massiv sei die Sorge artikuliert worden, dass die Schulleiterin das Gedankengut des Vereins einfließen lassen werde.
Das Verwaltungsgericht beurteilte die Versetzung als rechtens und stützte die Argumentation des Ministeriums: Entscheidend sei der im Zuge der öffentlichen Debatte eingetretene Vertrauensverlust. Es komme nicht darauf an, dass die Mitgliedschaft der Schulleiterin bekannt gewesen sei. Das Ministerium habe sie auf ihre Neutrailitätspflicht hingewiesen und mit der starken Störung des Schulfriedens nicht gerechnet.
Nach Auffassung der Richter bestehen "gewichtige Anhaltspunkte dafür, dass schriftliche Äußerungen des Gründers des 'Zentrum des Lichts' antidemokratische, rassistische und mit der demokratischen Grundordnung nicht zu vereinbarende Aussagen enthalten". Zudem sei sehr zweifelhaft, ob Formulierungen der Schulleiterin selbst in ihrem Buch "Am Anfang waren die Werte" mit dem Bildungs- und Erziehungsauftrag nach dem Schulgesetz vereinbar seien.
Im Zuge der Sekten-Vorwürfe beschrieb Brigitte Dewald-Koch, im rheinland-pfälzischen Sozialministerium für Sekten und religiöse Gruppierungen zuständig, das "Zentrum des Lichts" als "spirituelle Gruppe mit deutlich esoterischer Ausrichtung", die einen "sehr starken missionarischen Eifer" habe und bundesweit an zehn Orten vertreten sei. Im Bildungsausschuss des Landtages nannte die CDU die Gruppierung eine "Sekte mit elitärer Ausrichtung und streng hierarchischem Weltbild". Nach Angaben des Sektenbauftragten der Rheinischen Landeskirche gehören zu ihrem Programm auch Meditationskurse für Kinder vom dritten Lebensjahr an.
(Quelle: http://www.spiegel.de/schulspiegel/0,1518,334101,00.html)

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