Wenn Frauen in Berlin Mutter Erde anschreien
Auf dem Schloßplatz in Berlin-Mitte kommen Frauen zusammen, um sich spirituell zu reinigen. Der Markt für esoterische Angebote wächst. Die Kirche warnt vor Scharlatanen.
Ein Schrei. Er klingt so, als suche jemand seine eigene Stimme. Die Frau, die schreit, möchte ihren richtigen Namen nicht in der Zeitung lesen. Sie nennt sich Sarita. „Sarita“ bedeutet „Fluss der Liebe“, es ist ein spiritueller Name. Er verrät vielleicht mehr über das Selbstverständnis dieser Frau, die an diesem Sonntagnachmittag am Ufer der Spree in Berlin-Mitte steht – und ohne erkennbaren Anlass schreit.
Es ist ein warmer Tag, die Sonne sendet mildes Licht auf die Stelle, wo einmal der Palast der Republik stand und wo das Berliner Schloss entstehen soll. Jetzt wächst hier eine Wiese. Jemand hat den Umriss eines Herzens ins saftige Grün des Rasens gemäht. Hier treffen sich an diesem Tag Menschen, die glauben, dies sei ein magischer Ort.
Eine davon ist Sarita. Man erkennt sie schon von weitem. Eine geschmackvoll gekleidete Mittfünfzigerin im regenbogenfarbenen Rock. Sie lässt sich zwar fotografieren, will von sich aber nur preisgeben, dass sie nach dem Tod des Vaters aus der katholischen Kirche ausgetreten ist. Sie sagt, die Kirche habe sich bis heute nicht für die Jahrtausende lange Unterdrückung der Frau entschuldigt.
Eben noch stand sie Hand in Hand mit neun Männern und Frauen im Kreis, die Augen geschlossen, ein entrücktes Lächeln im Gesicht. Sie haben sich getroffen, um Kontakt mit Mutter Erde und den Elementen aufzunehmen. Sarita schreit: „Wir lieben dich, Wasser!“ Später wird sie sagen, dieses Ritual habe sie gereinigt. Regelrecht befreit habe sie sich nach dem Schrei gefühlt. Sie strahlt die Frau an, die zu dieser Zeremonie eingeladen hat: Christina M.
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Quelle: Morgenpost Online
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